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Gewalt und Aggression an Schulen

Streitende Jungs

In der letzten Zeit häufen sich gewalttätige Vorfälle an Schulen in Deutschland. Die "Gewalt in Schulen" wird so immer mehr zu einem zentralen Thema in der öffentlichen Diskussion und gibt zunehmend Anlass zur Besorgnis.

Unter Gewalt an Schulen versteht man " ....das gesamte Spektrum von Tätigkeiten und Handlungen, die physische und psychische Schmerzen oder Verletzungen bei den im Bereich der Schule handelnden Personen zur Folge haben oder die auf die Beschädigung von Gegenständen im schulischen Raum gerichtet sind. Gewalt in der Schule umfasst alle Angriffe, Übergriffe und Bedrohungen, die im unterschiedlichen Geschehen stattfinden und auch diejenigen, die im außerschulischen Bereich auftreten." (Hurrelmann, zit. nach Spreiter 1993)

Prügeleien, Hänseleien, Beschimpfungen und nicht zuletzt der Einsatz von Waffen sind mittlerweile auf der Tagesordnung unter Kindern und Jugendlichen. Die Arten von Gewalt und ihre Erscheinungsformen sind sehr vielfältig.

Gewalt gegen Sachen Gewalt gegen Personen
  physische Gewalt psychische Gewalt
· Beschädigung und Zerstörung des Eigentums von Mitschülern, Lehrern und Schulträgern körperliche Verletzungen durch:

 · Rempeleien

· Raufereien

· Würgen

· Einsatz von Waffen

seelische Verletzungen durch:

· Hänseln

· Beschimpfungen / Beleidigungen

· Drohen / Erpressen

· Mobbing

· Graffiti
· Vandalismus § extremistische Gewalt
§ sexuelle Gewalt
· Einbruch/ Diebstahl

 


Aggressive Verhaltensauffälligkeiten gehören zu den häufigsten Merkmalen im Kindes- und Jugendalter. Sie sind über diese Zeitspanne hinweg sehr stabil, insbesondere wenn sie schon früh auftreten und stellen oft die Vorläufer späterer Gewalthandlungen dar. Körperliche und verbale Gewalt von Kindern und Jugendlichen, Gewalt gegen Sachen und die "Verweigerungsgewalt" gegenüber Gemeinschaftsbedürfnissen und Regeln belasten zunehmend das Klima und Leben in der Schule. Sowohl für Schüler als auch für Lehrer wird das Lernen und Lehren dadurch als negativ und belastend empfunden.

Den Ausgangspunkt von aggressivem Verhalten und Gewalt in der Schule bildet oft nicht die Schule selbst, sondern das familiäre und ökonomisch-sozialstrukturierte Umfeld der Schüler. Schwere Gewalt in der Schule kommt von jungen Menschen mit fehlorientiertem Gefühlsleben. In vielen Familien fehlt schon die Voraussetzung, die Kinder für ein Leben in Gemeinschaft zu erziehen. Hinzu kommt die Armut an Bezugspunkten für die ganze Persönlichkeit und der Mangel an Freiräumen. Nicht zu vergessen ist die Beeinflussung durch die Medien, in denen Gewalt oft noch positiv dargestellt wird.

Begünstigende Faktoren

  • Gewalt im sozialen Nahraum: Häufig sind gewaltbereite Menschen selbst schon Opfer von Gewalt geworden. Wer in der Kindheit von den Eltern geschlagen oder misshandelt wurde, wird auch selbst häufig gewalttätig.
  • Wohn- und Lebensbedingungen: Das Wohnumfeld, in dem Kindheit und Jugend erlebt werden, wirkt sich direkt (durch Spiel- und Freizeitmöglichkeiten) und indirekt (durch günstige bzw. belastende Lebensbedingungen) auf die Entwicklung, das Selbsterleben und die Selbstverwirklichung von Kindern und Jugendlichen aus.
  • Gruppeneinfluss: Gleichaltrigengruppen spielen eine bedeutende Rolle für das Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen, insbesondere für ihre Identitätsfindung. Nur wenige dieser Gruppen werden zu einem Problem, weil aus ihnen Straftaten hervorgehen. Der Einzelne fühlt sich in der Gruppe sicher und wird immer risikofreudiger. Gewalt verschafft dem Täter ein Gefühl von Macht und Stärke und die gewünschte Anerkennung in der Gruppe.
  • Medieneinfluss: Über die Medien werden Kinder und Jugendliche wesentlich häufiger und intensiver als im täglichen Leben mit Gewalt konfrontiert. Problemlösungen mittels Gewalt werden oft als einzig möglicher Weg und als gesellschaftlich akzeptiert dargestellt. Darüber hinaus birgt häufiger Konsum von Brutalität die Gefahr der Gewöhnung an Aggression und Gewalt.

Auch die Schule als Teil des gesellschaftlichen Systems birgt gewisse Risiken in sich, die aggressives und gewaltbereites Handeln hervorbringen. Von jedem Schüler werden in der Schule angemessene schulische Leistungen erwartet, gleichzeitig macht er zunehmend schmerzhafte Erfahrungen, dass er in seiner individuellen Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeit beschnitten wird. Angst und Unsicherheit, sich nicht verstanden fühlen und das Gefühl, vor sich selbst und den anderen zu versagen, können aggressives Verhalten begünstigen. Treten dann auch noch soziale und emotionale Defizite aufgrund familiärer Konstellationen auf, können Kinder in ein Bedingungsgefüge geraten, das Aggression und Gewalt hervorbringt. Daraus wiederum kann ein schulisches Konfliktpotential resultieren. Das schulische Konfliktpotential kann sich verstärken durch die Integration der Kinder und Jugendlichen in bestimmte Gruppen außerhalb der Schule. In diesen Gruppen gelten in der Regel abweichende Normen, Werte und Verhaltensanforderungen, die in der Schule mit den dort gegebenen Wertestrukturen kollidieren. Daraus entwickeln sich aggressives Verhalten und Gewalt.

Ungeachtet aller gesellschaftlicher Veränderungen kann die Vorbildwirkung von Eltern und Erziehungsberechtigten nicht hoch genug eingeschätzt werden. Gerade in der Familie und im sozialen Umfeld (auch in Schule) sollten junge Menschen lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen und zu bewältigen. Bei jeder Auseinandersetzung oder im Streit ist ein fairer und respektvoller Umgang miteinander notwendig. Gegenseitige Zuneigung und ein liebevoller Umgang in der Familie sind die besten Voraussetzungen dafür, das sich bei Kindern ein stabiles Selbstwertgefühl ausbilden kann. Denn Kinder, die sich selbst akzeptieren, müssen sich nicht mit Gewalt beweisen oder durchsetzen.

Aus zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen geht hervor, dass Gewalt in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, dem dauerhaft nur über Erziehungsmaßnahmen auf allen Ebenen begegnet werden kann. Schulen sind im Rahmen ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages verpflichtet, nicht nur auf das Lernverhalten der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen, sondern auch auf deren Persönlichkeitsentwicklung und Sozialverhalten einzuwirken. Das entbindet Eltern jedoch nicht von ihrer originären Verantwortung in der Erziehung ihrer Kinder.

Aber auch politische und gesellschaftliche Institutionen müssen ihren Teil an Verantwortung übernehmen, beispielsweise bei gesetzlichen Regelungen zum Schutz der Kinder. Somit ist es auch Aufgabe der gesetzlichen Unfallversicherungsträger, im Rahmen ihres Präventionsauftrages Gewaltprävention an Schulen anzuregen und zu unterstützen sowie die Sicherheit der Kinder auf dem Schulweg und in der Schule zu thematisieren und aktive Beratung zu leisten.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(aus "Sicherheitsforum" 1-2007)

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