Telearbeit

Unsere Arbeitswelt erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Wir verändern uns verstärkt zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft. Die Telearbeit als Arbeitsform der Zukunft wird schon bald große Bedeutung erlangen. Dem kann und wird sich auch der öffentliche Dienst in Sachsen-Anhalt nicht verschließen. Erste Tele-Heimarbeitsplätze werden in den Kommunen Sachsen-Anhalts bereits eingerichtet. Hierbei sind vielfältige Anforderungen zu berücksichtigen und dabei darf die Prävention nicht zu kurz kommen.

Bedeutung der Telearbeit

Unter Telearbeit wird jede auf Informations- und Kommunikationstechnik gestützte Tätigkeit verstanden, die ausschließlich oder zeitweise an einem außerhalb der Betriebsstätte liegenden Arbeitsplatz, in der Regel zu Hause, verrichtet wird. Meistens handelt es sich dabei um Bildschirmarbeitsplätze. Zusätzlich wird in verschiedene Formen der Telearbeit unterschieden, beispielsweise die heimbasierte Telearbeit, die ausschließlich zu Hause erfolgt und die alternierende Telearbeit, die neben Heimarbeit eine Anzahl Bürotage enthält sowie weitere Formen. Die Tele-Heimarbeit weist den höchsten Dezentralisierungsgrad auf, da die Wohnung zugleich Arbeitsplatz ist.

Telearbeit hat zweifellos Vorteile, wie freie Zeiteinteilung, ungestörtes Arbeiten von zu Hause, selbständiges Arbeiten, herausgelöst aus den bürokratischen Abläufen im Betrieb, Kosten- und Zeitersparnis, bessere Vereinbarung von Beruf und Familie, Reduzierung der Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb usw. Telearbeit ist aber auch eine ergebnisorientierte Arbeitsform, die ein hohes Maß an konzentrierter Einzelarbeit erfordert, mit allen damit verbundenen Faktoren und Gefährdungen.

Versicherungsschutz

Versicherungsschutz für Arbeitsunfälle besteht auch, wenn Beschäftigte im Auftrag ihres Arbeitgebers Arbeiten zu Hause durchführen. Versichert sind alle Tätigkeiten oder Handlungen des Beschäftigten zu Hause, die dem Unternehmen wesentlich dienen und mit den in Auftrag gegebenen Tätigkeiten im Zusammenhang stehen. Der Arbeitsplatz muss sich nicht auf einen bestimmten Raum beschränken. Er kann sich auch in dem Bereich der Wohnung befinden, in dem aus technischen Gründen ein Gerät - zum Beispiel ein Drucker - aufgestellt ist. Für die Feststellung des Versicherungsschutzes ist die zum Unfallzeitpunkt beabsichtigte Tätigkeit relevant, die auch nachträglich betrachtet nach objektiven Gegebenheiten wesentlich der betrieblichen Arbeit zugeordnet werden muss.

Sind Wohnung und Arbeitsstätte im gleichen Gebäude, ist in der Regel ein Wegeunfall ausgeschlossen. Der Versicherungsschutz beginnt an Tagen, an denen zu Hause gearbeitet wird, erst mit Betreten des Arbeitsraumes. Nicht versichert sind Wege und Tätigkeiten, die privaten Belangen zuzuordnen sind. Wenn ein Heimarbeiter die Betriebsstätte des Arbeitgebers zum Beispiel für Arbeitsbesprechungen aufsucht, besteht für ihn auf dem Weg ebenso wie für einen im Betrieb tätigen Arbeitnehmer Versicherungsschutz gem. § 8 Abs. 2 Nr. 1 SGB VII . Um eventuellen Streitigkeiten über Versicherungsschutz vorzubeugen, sollten Arbeitszeit sowie Art und Umfang der Tätigkeiten vertraglich geregelt werden.

Telearbeit und Arbeitsschutz

Auch bei der Telearbeit muss der Arbeitgeber die uneingeschränkte Einhaltung der einschlägigen gesetzlichen Vorschriften des Arbeitsschutzes und damit einen umfassenden Arbeitsschutzstandard sicherstellen. Es gilt das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchutzG). Nach § 3 ArbSchutzG ist der Arbeitgeber verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten beeinflussen. Er bleibt somit auch bei Tele-Heimarbeitsplätzen für den Arbeits- und Gesundheitsschutz verantwortlich. D. h. bei der Einrichtung von Telearbeitsplätzen sind die Anforderungen der Bildschirmarbeitsverordnung vollständig zu berücksichtigen und umzusetzen sind. Die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung und der Arbeitsmittelbenutzungsverordnung gelten grundsätzlich auch für die häuslichen Telearbeitsplätze. Insbesondere die Vorgaben zur Ausgestaltung von Fußböden, Wänden und Decken, zu Raumabmessungen und Mindestgrößen für Bewegungsflächen sind für die Telearbeit von Bedeutung.

Die Beschäftigten selbst sind nach § 15 ArbSchutzG verpflichtet, nach ihren Möglichkeiten sowie gemäß der Unterweisung und Weisung des Arbeitgebers für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge zu tragen. Allerdings darf keine Abwälzung der dem Arbeitgeber obliegenden Arbeitsschutzpflichten auf die Arbeitnehmer im Rahmen der Telearbeit erfolgen. Die Mitbestimmungsrechte und Überwachungspflichten des Betriebs-/Personalrates, z. B. hinsichtlich der Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften, gelten auch für die Telearbeit.

Zugangsberechtigung

Die Einrichtung von Telearbeitsplätzen enthält Konfliktpotential, dem es rechtzeitig entgegenzutreten gilt. Auf Grund seiner Verantwortung und Sorgfaltspflicht muss der Arbeitgeber den heimischen Arbeitsplatz des Telearbeiters in Augenschein nehmen können, ihn nach §§ 5, 6 ArbSchutzG sowie § 3 Bildschirmarbeitsverordnung beurteilen und Schutzmaßnahmen veranlassen können. Hierbei versichert er sich der Unterstützung und Beratung durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie Betriebsärzte, die somit ebenfalls Zugang zum Telearbeitsplatz benötigen. Analog gilt dies für zuständige Behörden und ihre Befugnisse zur Überwachung (z. B. Gewerbeaufsichtsamt nach §§ 21, 22 ArbSchutzG sowie Aufsichtspersonen der Unfallkasse nach § 19 SGB VII in Verbindung mit § 15 Abs. 5 SGB VII). Dem Zugangswunsch entgegen steht ein Abwehrrecht des Telearbeiters aus Artikel 13 Abs. 1 des Grundgesetzes. Somit besteht ein Konflikt zwischen dem Zugangsinteresse des Arbeitgebers und dem Schutz der privaten Sphäre des Arbeitnehmers. Das notwendige Zugangsrecht, das beide Interessen vereint, ist entweder im Arbeitsvertrag oder in einer betrieblichen bzw. individuellen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Heimarbeiter zu regeln. Die Beachtung dieser Problematik ist unerlässlich.

Arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren

Bei der Einrichtung von Telearbeitsplätzen muss neben der ergonomischen Einrichtung des Arbeitsplatzes mit entsprechenden Arbeitsmitteln und der richtigen Arbeitsumgebung auch die notwendige arbeitsmedizinische Vorsorge beachtet werden. Eine regelmäßige Untersuchung der Augen und des Sehvermögens der Beschäftigten an Telearbeitsplätzen ist hierbei besonders wichtig. Telearbeitsplätze weisen die typischen Belastungen und Beanspruchungen von Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen auf. Darüber hinaus dürfen aber auch potentielle psychische Probleme, wie soziale Isolation oder Zeitmanagement nicht vergessen werden. Das Fehlen externer Arbeitszeitvorgaben und -kontrollen bei der Telearbeit führt dazu, dass die Beschäftigten selbstverantwortlich mit ihrer Zeit umgehen müssen. Gelingt es ihnen nicht, die zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll zu strukturieren, resultieren daraus Zeitstress, Anspannung, Überforderung und eine Verkürzung der notwendigen Erholungsphasen, was im Ergebnis zu Unzufriedenheit, Ermüdung und gesundheitlichen Beschwerden führen kann. Bei der Bewältigung dieser Belastungen und Beanspruchungen benötigt der Telearbeiter Unterstützung durch den Arbeitgeber, der letztendlich für die Verhütung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren verantwortlich ist (§ 21 Abs. 1 SGB VII ).

Personelle Voraussetzungen

Die Eignung eines Telearbeiters ist abhängig vom Aufgabenbereich sowie der Funktion und Position im Unternehmen. Darüber hinaus sind persönliche Kompetenzen, wie Selbst-, Motivations- und Kommunikationsmanagement sehr wichtig. Die Ausbildungs- und Qualifikationsanforderungen sind dementsprechend vielfältig. Hinzu kommen weitere Anforderungen an den Mitarbeiter, wie Vertrauenswürdigkeit, Selbständigkeit, Selbstdisziplin, hohe Eigenverantwortung, ausgeprägte Teamfähigkeit, geeignete familiäre Situation sowie Eigeninitiative. Bei der Auswahl der Telearbeiter obliegt dem Arbeitgeber demzufolge eine hohe Verantwortung.

Datenschutz

Nicht zu vergessen sind die Anforderungen an Datenschutz und -sicherheit. Hierzu können technische (z. B. Zugriffschutz, Festplattenverschlüsselung, Datentransport-Verschlüsselung, unterbrechungsfreie Stromversorgung), organisatorische (separates, abschließbares Arbeitszimmer, abschließbare Schränke und anderes, keine private Nutzung des technischen Equipments, Entsorgung von Datenträgern nur in der Firma) sowie rechtliche Anforderungen (Betriebsvereinbarung, Verpflichtungserklärung, Unterweisung) gehören.

(aus "Sicherheitsforum" 3-2000)