Hengstenberg-Bewegungskonzept

Bewegung nach Hengstenberg

Für den Reifungsprozess unserer Kinder und damit für die Entwicklung nahezu aller Fähigkeiten und Fertigkeiten ist Bewegung unerlässlich.

Kindergruppe in Bewegung nach Hengstenberg

Hinzu kommt, dass Kinder durch Bewegung ihre Umwelt entdecken und Erfahrungen mit ihrem eigenen Körper sammeln. Mit zunehmender Bewegungssicherheit lernen sie dann ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen besser einzuschätzen und gewinnen somit an Selbstvertrauen.

Sind die Bewegungsmöglichkeiten im Umfeld der Kinder unzureichend, entstehen Probleme, wie z.B. Bewegungs- und Verhaltensauffälligkeiten sowie Konzentrations- und Wahrnehmungsstörungen. Da diese aber im späteren Schul- und Erwachsenenalter gar nicht oder nur sehr schwer wiederauszugleichen sind, sollten schon im Kindergarten entsprechende Gelegenheiten für Bewegung geschaffen werden. Zumal sich auch gerade in jungen Jahren bestimmte Verhaltensmuster und Bewegungsabläufe besonders einprägen. In dieser Hinsicht bietet das Bewegungskonzept von Elfriede Hengstenberg hier vielfältige Möglichkeiten.

Das Hengstenberg-Bewegungskonzept

Im Mittelpunkt dieses Bewegungskonzepts steht die behutsame bewegungspädagogische Unterstützung des kindlichen Eroberungs- und Forschungsdranges. Die Kinder sollen selbstständig erkennen, zu welchen Bewegungen der eigene Körper fähig ist und dabei Raum- und Körpergrenzen fühlen. Die Kinder werden nicht zur Nachahmung vorgefertigter Turnübungen animiert, sondern sollen spielerisch eigene Ideen entwickeln und umsetzen. Es geht in erster Linie darum, dass sich Kinder mit ihren Bedürfnissen, mit "Leib und Seele", einbringen. Für die kindgerechte Umsetzung des Konzeptes wurden einfache Holzgeräte wie Stangen, Hocker, Kippelhölzer und Hühnerleitern entwickelt, die die Kinder selbstständig ausprobieren können. Durch das Experimentieren und die Herausforderung, sich in unterschiedlichen Höhen und Ebenen zu bewegen sowie der Auseinandersetzung mit der Schwerkraft, gewinnen Kinder Bewegungsfreiheit, Selbstvertrauen und Selbstsicherheit.

Elfriede Hengstenberg (1892-1992) hat als Gymnastiklehrerin 65 Jahre lang mit Kindern und Jugendlichen in Berlin gearbeitet. Die körperlichen Defizite, weshalb die Kinder zu ihr kamen, verschwanden in der Gymnastikstunde. Ihr wurde aber auch bewusst, dass die Kinder die positiven Erfahrungen, die sie in ihren Stunden machten nicht in den Alltag integrieren konnten. Sie erkannte, dass Haltungsschäden ein Ausdruck der Gesamtpersönlichkeit sind und sich nicht nachhaltig "von außen" korrigieren lassen. Elfriede Hengstenberg veränderte ihre Vorgehensweise, entwickelte einfache Holzgeräte und forderte damit die Experimentierfreude der Kinder heraus. An den Geräten und vielen verschiedenen anderen Materialien bekommen die Kinder Gelegenheit zum eigenständigen und kreativen Erproben ihrer Fähigkeiten. Spiel, Spaß, Sinneserfahrungen und auch Entspannung bilden dabei feste Bestandteile.

26 Kita's am Projekt in Sachsen-Anhalt beteiligt

Neben vielen Aktionen und Projekten zur Bewegungserziehung und Bewegungsförderung in Kindereinrichtungen unterstützt die Unfallkasse Sachsen-Anhalt gemeinsam mit der Basisgemeinde Prenzlauer Berg auch die Integration des Bewegungskonzepts von Elfriede Hengstenberg.

Das Projekt begann im Jahr 2005 und lief über ein Zeitraum von 3 Jahren. Dabei wurden in Sachsen-Anhalt 26 Kita's in das Projekt einbezogen. Die Einrichtungen konnten sich die Bewegungsmaterialien zunächst für ein Jahr ausleihen und sie, nach positiven Erfahrungen und entsprechender Auswertung, dann auch erwerben. Einen Teil der Kosten trug die Unfallkasse, den anderen übernahmen jeweils die Träger der Einrichtungen. Die Projektphasen starteten jeweils im Januar jeden Jahres mit der Unterzeichnung von Kooperationsvereinbarungen und dem ersten Einsatz der Hengstenberg-Bewegungsgeräte in den Einrichtungen. Zum Abschluss des Projektes erschien im Jahr 2008 eine Projektdokumentation mit Beobachtungs- und Erfahrungsberichten aller beteiligten Kita's.

Als Referenzeinrichtungen haben sie nun die Möglichkeit, unter ihren Bedingungen die Arbeit mit dem Bewegungsansatz von Elfriede Hengstenberg zu integrieren. Mit ihren Erfahrungen sollen die Einrichtungen das eigene Profil schärfen und gleichzeitig die Hengstenberg-Arbeit in ihrer Region bekannt machen. Die Unfallkasse Sachsen-Anhalt und die Basisgemeinde Prenzlauer Berg unterstützen die Kindereinrichtungen dabei fachlich und pädagogisch.