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Prävention psychischer Krisen in Sachsen – Anhalt

„Verrückt? Na und! – Seelisch fit in der Schule“

Heranwachsende sind am häufigsten von psychischen Krisen betroffen . Sie haben große Angst vor Ausgrenzung und Stigmatisierung und suchen sich noch seltener Hilfe als Erwachsene . Das beeinträchtigt nicht nur den Schulerfolg, sondern ist oft auch ein lebenslanger Unglücksfaktor . Präventionsangebote in der Schule haben die einzigartige Chance, alle Lernende sowie ihre Lehrkräfte zu erreichen, um aufzuklären, zu entlasten und zu ermutigen .


Psychisches Wohlbefinden nach wie vor schlechter als vor der Pandemie

Die Auswirkungen von Pandemie, Klimakrise und Digitalisierung, des Krieges in der Ukraine und anderer Konflikte, von Migration und Armut sowie der Angst vor alledem sorgen dafür, dass psychische Belastungen und Erkrankungen zunehmen, besonders bei Heranwachsenden. Gleichzeitig wird der Zugang zu Hilfe, Beratung und Behandlung von vielen Kindern und Jugendlichen als schwierig wahrgenommen. Das untermauern nicht zuletzt die neuesten Ergebnisse der COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg.

Zielgruppengerechte, flächendeckende und auf ihre Wirkung hin evaluierte Angebote für Heranwachsende zur Prävention und Entstigmatisierung psychischer Gesundheitsprobleme und zur Förderung psychischen Wohlbefindens fehlen weitestgehend. Hier sind wir als Gesellschaft in der Bringpflicht, endlich gesundheits-, bildungs- und sozialpolitische Entscheidungen zu treffen, die dem psychischen Wohlbefinden von jungen Menschen dienen.

Mit psychischer Gesundheit gute Schule machen

Die Schule kann Heranwachsende nicht davor bewahren, Krankheiten und Schmerz zu erleben, und sie kann psychische Leiden auch nicht behandeln. Doch sie kann Schutzfaktoren für psychisches Wohlbefinden stärken, indem sie z. B. Lernende aufklärt, entlastet, ermutigt, Struktur gibt und ihnen zur Seite steht, damit sie mit ihren Problemen nicht allein sind.

Statistisch gesehen sind in jeder Schul klasse etwa 4-5 Lernende von psychischen Erkrankungen betroffen.

2–5 Lernende haben psychisch erkrankte Eltern und zwei kümmern sich um ein (psychisch) krankes Familienmitglied. Oft liegen Komorbiditäten vor. Die Folgen: Junge Menschen mit psychischen Erkrankungen brechen häufiger Schule und Ausbildung ab, sind stärker von körperlichen Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Frühberentung, Armut, sozialer Isolation sowie von Suizid betroffen.

Ein Beispiel für wirksame Prävention: „Verrückt? Na und!“

Das von Irrsinnig Menschlich e . V . entwickelte und skalierte Programm „Verrückt? Na und! Seelisch fit in der Schule“ erfüllt die Qualitätskriterien der gesetzlichen Krankenkassen und steht auf der Grünen Liste Prävention – CTC-Datenbank empfohlener Präventionsprogramme.

Präventionsprogramm „Verrückt? Na und!“

Kern und Herzstück des Programms sind Schultage unter Mitwirkung von persönlichen Experten und Expertinnen, d.h. von Menschen der stigmatisierten Gruppe. Das ist einer der wichtigsten strategischen Erfolgsfaktoren von Anti-Stigma-Arbeit, insbesondere in Bezug auf Heranwachsende.

Das Programm macht psychische Krisen klassenweise leicht besprechbar und schafft niederschwelligen Zugang zu kommunalen und regionalen Netzwerken der psychosozialen Hilfe und Versorgung sowie der Jugendhilfe: Unsere Umsetzungspartner an den Standorten kommen aus diesen Bereichen.

Aktuell wird das Programm für Lernende ab Klassenstufe 8 und ihre Lehrkräfte von Kooperationspartnern aus der psychosozialen Versorgung, der Gesundheitsförderung und der Jugendhilfe in Schulen an über 100 Standorten in Deutschland umgesetzt. Sachsen-Anhalt ist seit 2008 dabei. Umsetzungspartner ist das Trägerwerk Soziale Dienste Sachsen-Anhalt. 

„Verrückt? Na und!“ in Sachsen-Anhalt 2024: Das sind …

  • 59 Schultage an 21 Schulen und 2 Fortbildungen für Lehrkräfte
  • 1.300 direkt erreichte Schüler*innen und ihre Klassenlehrkräfte
  • 4 Informations veranstaltungen für Multiplikator*innen
  • 2 Standorte die „Verrückt? Na und“ im Land anbieten: Halle und der Landkreis-Mansfeld-Südharz
  • 4 Regionen, die Standortpartner werden möchten: Köthen, Dessau, Bitterfeld-Wolfen, Landkreis Börde

Kontakt: Annika Menzel annika.menzel@twsd.de 0172 – 262 1713

Verrückt? Na und!“ rechnet sich für die Gesellschaft

2025 kommt mit der Regionalgruppe Burgenlandkreis der dritte Standort in Sachsen Anhalt dazu. Angestrebt wird außerdem die Einrichtung einer Landeskoordination, um mit dem Programm möglichst viele Schulen zu erreichen. In die Prävention von psychischen Erkrankungen zu investieren, lohnt sich für die Gesellschaft . Dafür gibt es neben der ethischen Verpflichtung, vermeidbares Leid zu verhindern, vor allem ökonomische Gründe . Ökonomisch am sinnvollsten sind Präventionsmaßnahmen für Heranwachsende, weil sie dazu beitragen, dass junge Menschen später stabiler und gesünder am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilhaben können.

Wir danken allen Förderern und Unterstützern, die uns dabei begleiten.

- Dr. Manuela Richter-Werling, Irrsinnig Menschlich e.V.

Quellen: Kaman, A., Erhart, M., Devine, J., Napp, A.K., Reiss, F., Behn, S. & Ravens-Sieberer, U. (2024). Mental Health of Children and Adolescents in Times of Global Crises: Findings from the Longitudinal COPSY Study from 2020 to 2024. Available at SSRN: ssrn.com abstract=5043075 (Preprint)